Kölner Stadtanzeiger vom 18.8.2015- Demonstration vor der Ratssitzung-Bürgerbegehren angestoßen

Demonstration vor der Ratssitzung – Bürgerbegehren angestoßen

Erstellt 18.08.2015

Für den Erhalt der Zülpicher Realschule wollen Schüler und Eltern alle Möglichkeiten ausschöpfen.
Eltern machen mobil gegen den Ratsbeschluss für eine Gesamtschule in Zülpich. Eine Demonstration und ein Bürgerbegehren sollen das Ende der Haupt- und Realschule verhindern.  Von Claudia Roberz

Zülpich. Wenn es nach dem Willen der politischen Mehrheit im Rat der Stadt Zülpich geht, dann steht die Römerstadt vor einer einschneidenden Veränderung ihrer Schullandschaft. Am 29. Juni beschloss der Schulausschuss mehrheitlich, Haupt- und Realschule auslaufend zu schließen und ab dem Schuljahr 2015/16 eine Gesamtschule einzurichten.

Am Donnerstag soll der Zülpicher Stadtrat diesen Beschluss bestätigen. Doch jetzt machen die Eltern der Realschüler mobil. Nach einer Krisensitzung am Freitagabend stand für sie fest: „Wir lassen uns von der Politik nicht über den Tisch ziehen. Wir wollen für den Erhalt unserer Karl-von-Lutzenberger-Realschule kämpfen.“

Eine Demonstration vor der Ratssitzung ist angemeldet. Bis Donnerstagmittag soll der Verwaltung ein aktives Bürgerbegehren vorliegen, über dessen Zulässigkeit Bürgermeister Albert Bergmann dann zu befinden hat.

Meinungen der Politiker geteilt

Die Meinungen der Politiker zum Thema Gesamtschule sind, wie nach der Schulausschusssitzung nicht anders zu erwarten, geteilt. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Christine Bär sieht das Hauptproblem in den sinkenden Anmeldezahlen für die Hauptschule: „Wir müssen in Zülpich ein Angebot für alle Schüler anbieten. Bevor wir unsere Hauptschüler nach Bad Münstereifel schicken müssen, was von einigen Ortschaften aus fast unmöglich ist, ist eine Gesamtschule vor Ort die bessere Alternative. Deshalb ist es wichtig, dass wir jetzt handeln.“

Ulf Hürtgen, Bürgermeisterkandidat der CDU, macht keinen Hehl daraus, dass er immer ein Verfechter des dreigliedrigen Schulsystems war und ist. Aber: „Wir müssen die Schullandschaft gestalten, solange wir noch gestalten können. Als Schulträger müssen wir das Gesamtbild sehen und nicht nur eine Schule. Aus dem Bereich der Haupt- und Förderschulen haben wir viele Befürworter für eine Gesamtschule.“

Auf den Widerstand der Realschuleltern angesprochen, sagt JA-Fraktionschef Timm Fischer: „Alle Argumente sind ausgetauscht. Da müssen wir jetzt durch. Das Gymnasium wird im übrigen davon profitieren. Wenn das Kursangebot durch die Zusammenarbeit der beiden Oberstufen besser wird, wird es auch wieder mehr Schüler am Gymnasium geben.“

„Wir haben mit dem Schulcampus in Zülpich eine Einheit, da braucht man kein Monstrum Gesamtschule.“

Detlef Krings

Detlef Krings, Bürgermeisterkandidat von FDP, Grünen und UWV, hätte die Entscheidung zur Einrichtung einer Gesamtschule mit gleichzeitiger Schließung von Haupt- und Realschule von vorneherein lieber über einen Bürgerentscheid gesehen. Er sagt aber auch: „Wir haben mit dem Schulcampus in Zülpich eine Einheit, da braucht man kein Monstrum Gesamtschule. Lieber sollte man den 10a-Abschluss für die Hauptschüler an der Realschule anbieten. Diese Möglichkeit gibt es ja seit diesem Schuljahr.“

Auch Angela Kalnins (Grüne) sieht in der vom neuen Schulrechtsänderungsgesetz des Landes eröffneten Möglichkeit, den Hauptschulabschluss an der Realschule abzulegen, eine Zukunft für Zülpichs Schullandschaft. „Das wäre die Lösung für Zülpich, da hätten wir gegenüber den anderen Gemeinden ein Alleinstellungsmerkmal.“

Der UWV-Vorsitzende Gerd Müller wundert sich über den Widerstand der Realschuleltern nicht: „Da versucht man in Verwaltung und Politik, Dinge unter der Decke zu halten, indem man einfach nicht darüber informiert. Und dann wundert man sich, wenn der Volkszorn hochkocht.“