Gesamtschule statt KvL? – Artikel im Kölner Stadtanzeiger am 17.8.2015

Kölner Stadtanzeiger vom 17.8.2015
Eltern wehren sich gegen den Ratsbeschluss, die Karl-von-Lutzenberger-Realschule in eine Gesamtschule umzuwandeln. Vor allem von Eltern aus dem Kreis Düren zeigten sich empört über das Vorgehen der Zülpicher Politiker.  Von Claudia Roberz

Zülpich. Die Eltern der Karl-von-Lutzenberger-Realschule wollen für den Erhalt ihrer Schule kämpfen. Auch wenn die Zeit dafür äußerst knapp bemessen ist. Schließlich soll schon am Donnerstagabend in der Bürgerbegegnungsstätte Martinskirche der Ratsbeschluss gefasst werden, Haupt- und Realschule in Zülpich auslaufend zu schließen und den Weg für eine Gesamtschule freizumachen.

Knapp 100 Eltern hatten sich am Freitagabend auf Einladung der Schulpflegschaftsvorsitzenden der Zülpicher Realschule, Heike Stanitzek und Stefanie Hansen, im Forum der Schule eingefunden. Heike Stanitzek erläuterte kurz den Status quo, was der Schulausschuss am 29. Juni beraten hatte und was der Rat am Donnerstag gleichwohl absegnen soll.

Entsetzen machte sich vor allem bei den Eltern aus dem Kreis Düren breit, deren Kinder in großer Anzahl die Zülpicher Realschule besuchen. Sie hatten von der brisanten Entwicklung in der Zülpicher Schullandschaft noch nicht so viel mitbekommen und zeigten sich empört über die Vorgehensweise der Zülpicher Politiker. „Hier wird der Wille der Eltern völlig ignoriert“, war allgemeiner Tenor, auch der Zülpicher Eltern.

Klaus Keyser, seit diesem Schuljahr Leiter der Karl-von-Lutzenberger-Realschule, informierte die Eltern darüber, was eine auslaufende Schließung der Realschule de facto bedeutet: „Wenn es an der Realschule kein fünftes Schuljahr mehr gibt, benötigen wir weniger Lehrer. Wenn es im Jahr darauf auch keine sechste Klassen mehr gibt, brauchen wir wieder weniger Lehrer an der Realschule.“

„Werden wir dann überhaupt noch genug Lehrer für den Fachunterricht haben?“, fragte eine besorgte Mutter. Hierzu konnte auch Keyser keine eindeutige Aussage machen. „Vorgegeben ist, dass sowohl räumlich als auch vom Unterricht her die zu schließenden Schulen nicht benachteiligt werden sollen.“

Auch Franken-Gymnasium gefährdet

Dass nicht nur Haupt- und Realschule von einer Gesamtschule betroffen wären, sondern auch das Franken-Gymnasium auf längere Sicht gefährdet sei, machte Winfried de Bruin, Vorsitzender des Fördervereins der Zülpicher Realschule sowie Schulpflegschaftsvorsitzender des Franken-Gymnasiums, deutlich: „Die Karl-von-Lutzenberger-Realschule hat viele ihrer Schüler auf das Franken-Gymnasium geschickt. Wenn das wegbricht, wird auch das Franken-Gymnasium austrocknen. So wird es in wenigen Jahren in Zülpich keine Wahlmöglichkeit zwischen Gymnasium und Gesamtschule mehr geben. Auch das muss man den Eltern der Grundschüler eindeutig vermitteln.“

Seitens einiger Eltern von Fünftklässlern wurde der Vorwurf laut, bei Anmeldung ihrer Kinder sei ihnen versichert worden, dass die Realschule bestehen bleibe. Johannes Schuba, damals noch Leiter der Realschule: „Im Oktober 2014 hieß es seitens der Politik: Die Karl-von-Lutzenberger-Realschule bleibt bestehen.“ Darauf habe auch er sich verlassen und die Eltern entsprechend informiert.

Ganztag abgelehnt

Deutlich wurde an diesem Abend, dass sich die Eltern der Realschüler ganz bewusst für diese Schulform und gegen eine Einschulung ihrer Kinder an einer Gesamtschule entschieden haben. Viele lehnten unter anderem den Ganztag der Gesamtschule ab, andere schreckte die Größe der Schule. „Meine Kinder sind von der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Düren nach Zülpich gewechselt, einer aufs Gymnasium, einer hier auf die Realschule. Sie sind mit der Massenabfertigung in der Gesamtschule nicht klargekommen. Ganz im Gegensatz zu den Zülpicher Schulen: Die sind einfach kleiner, feiner und persönlicher, meine Kinder fühlen sich hier einfach wohl“, hieß es von Eltern während der Veranstaltung.

Die anfänglichen Bedenken, so kurz vor der entscheidenden Ratssitzung mache ein Aufbegehren wohl kaum noch Sinn, wichen schließlich dem Kampfeswillen der Eltern. So könne man mit ihnen und vor allem mit ihren Kindern seitens der Politik nicht umgehen. Das wollen die Eltern am Donnerstag auch in der Martinskirche kundtun.

Außerdem sollen ein aktives Bürgerbegehren initiiert und die Vorlage der Verwaltung zur Ratssitzung am Donnerstag von einem Schulrechtsexperten überprüft werden. Mit Flyern soll zudem in den Grundschulen in Zülpich, im Kreis Düren und im Erftkreis auf die drohende Schließung der Realschule aufmerksam gemacht werden.